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Wie man den Wortschatz einer alten Sprache erweitern kann

August 17, 2012

Seit der Renaissance bemühen sich viele darum ihr Latein nach der Weise der alten Römer zu gestalten. Auch wenn man damit der damaligen Grammatik und den Textformen sehr nahe kommt, trifft man auf Schwierigkeiten. Da der vorbildhafte Zeitraum nur kurz war, gehen uns die Worte aus, wenn wir zu weit von den Stoffen des Altertums abkommen. Wir können uns mit dichterischen Umschreibungen behelfen, mitunter wird das aber umständlich. Gerade bei Latein sind wir aber in einer sehr glücklichen Lage. Latein hat eine lange Tradition, die sich in steter Veränderung fortsetzt und in der wir auf abenteuerreiche Wortschatzsuche gehen können. Dennoch kommt es vor, dass es ein Wort einfach noch nicht gibt. Dann werden wir, vielleicht mit der Hilfe von Freunden selbst ein Wort zu basteln. Oft geht es leicht ein Wort einer romanischen Sprache als Vorbild zu nehmen und dieses seinen Bestandteilen nach oder am Stück auf eine vielleicht früher vorhandene oder einfach passende lateinische Stufe zu entwickeln.

Latein hat man, in der Zeit des Römischen Reiches, in vielen Gegenden geredet und man hat heute Gewissheit darüber, dass es damals schon viele Dialekte gab. Es ist jedoch wenig über diese Dialekte bekannt, so dass es nicht möglich ist einen lateinischen Dialekt aus dem Altertum heute zu sprechen. Davon werden wir uns aber nicht den Tag verderben lassen. Je nach Gegend hat Latein Erbwörter und Lehnwörter unterschiedlicher Sprachen. In Gallien ist, wie wir an den Fischnamen sehen, der Gallischanteil groß und wir können davon ausgehen, dass uns nur ein sehr kleiner Teil der gallischen Wörter im gesprochenen Latein Galliens überliefert ist. Wir können also mehr gallische Wörter aufnehmen um die Eigenheit dieser Varietät zu stärken. Um die Auswahl zu erleichtern, kann man sich überlegen, in welchen Wortfeldern es häufig Dialektwörter gibt. Gallisch selbst wurde nur wenig aufgeschrieben, aber man weiß etwa wie Wörter aus anderen keltischen Sprachen auf Gallisch ausgesehen hätten. Folgende Verknüpfung führt zu einer Seite über das wiederhergestellte Gallisch, das Labarion heißt.

http://dedalvs.conlang.org/relay/previous/lcc3results/10.html

In der Liste hier stehen Namen von Pflanzen und von Teilen von Pflanzen auf Labarion, daneben habe ich sie, so gut es ging der lateinischen Phonologie angepasst, dann kommt klassisches Latein und rechts die deutsche Übersetzung. Weil ‚betula‘ und ’salix‘ von Gallisch ins klassische Latein übernommen wurden, stehen beide zwei Mal in ihren Zeilen.

In alpenromanischen Dialekten wurde das Wort ‚rusca‘ weitergeführt und bezeichnet zum Teil ein aus Rinde bestehendes Käsemodel.

aballâ – *aballa – mâlus – Apfelbaum

aballon – *aballum – mâlum – Apfel

actinos – *actinus – frutex – Busch

alisiâ – *alisia – alnus – Erle

bâgos – *bâgus – fâgus – Buche

berurâ – *berra? – nâsturcium – Brunnenkresse

betuâ – betula – betula – Birke

blâtus/-ous – *blâtus/*-ûs – flôs – Blume

cairâ – *caera – bâca – Beere

cairotannos – *caerotannus – sorbum – Eberesche

cancî – *cancia? – râmus – Ast

cnous/cnovos – ??? – nux – Nuss

colinnos – *colinnus – âcrifolium – Stechpalme

curalon – *curilum? – cucumis – Gurke

daru/-vos – ??? – quercus – Eiche

dolion – *dolium – folium – Blatt

pennoroudos – *pennorôdus – amâracum – Majoran

ruscâ – *rusca  – cortex – Rinde

salix/salicos – salix – salix – Weide

saton – *satum – sêmen – Samen

tannos – *tannus – arbor –Baum

toraton – *tortum? – herba – Pflanze

vidus/-ous – *vidus/*-ûs – lignum – Holz

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