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Alternative Schreibweise für Gotisch

August 23, 2014

Ich würde gerne nur noch dann ‚au‘ und ‚ai‘ verwenden, wenn germanisches /aʊ/ und /aɪ/ gemeint ist. Auch dann, wenn sich die beiden Laute verändert haben, sind sie immer noch die gleichen Phoneme, und werden nicht verwechselt. Man könnte sich sogar kurzes /ɔ/ und kurzes /ɛ/ sparen, weil diese Beiden nur statt /ʊ/ und /ɪ/ vor /r/, /h/ oder nicht belegtem /ƕ/ vorkommen. Weil aber offenes, wahrscheinlich kurzes /ɔ/ in Lehnwörtern meistens mit ‚au‘ geschrieben wird, ist es ratsam auch weiterhin ein Zeichen zu nehmen, das den Lautwert von /ʊ/ vor /r/ hat. Bei /aʊ/ und germanischem /ɪ/ läuft der Fall parallel. Ich meine also, daß man kurzes /ɔ/ am besten als ‚o‘ schreibt, und kurzes /ɛ/ am besten als ‚e‘ schreibt. In einem angenommenen Dialekt, bei dem /ʊ/ und /ɪ/ ihre Gestalt stets beibehalten hätten, das /aʊ/ aber schon zu offenem, langem /ɔː/ geworden wäre, hätte man offenes /ɔ/ in Lehnwörtern auch lang ausgesprochen.

Lange Selbstlaute würde ich durch Längungsstrich oder durch Doppelschreibung darstellen. Wo zwischen /a/ und /h/ früher ein /n/ stand, ist das /a/ jetzt lang. Darum könnte man hier die Länge mit einem wiederhergestellten und stummen ‚a‘ anzeigen. Man kann es aber auch so wie bei den anderen Selbstlauten halten.

Lateinisch und Griechisch hatten zu der Zeit, wo von dort Lehnwörter ins Gotische kamen wahrscheinlich keine unbetonten langen Selbstlaute mehr. Betonte lange Selbstlaute, oder durch Betonung lang gewordene Selbstlaute wurden im Gotischen aber gerne als lang übernommen. Ich denke mir, daß das mit /aː/, wo es schon gotisches langes /aː/ gegeben hat, auch so gewesen ist.

Früheres geschlossenes langes /oː/ vor einem anderen Selbstlaut wurde als ‚au‘ geschrieben und offen ausgesprochen. Hier würde ich am ehesten ‚oo‘ oder ‚ō‘ schreiben.

Die aus dem Griechischen übernommene Schreibung ‚gg‘ für /ŋ/ würde ich durch ’ng‘ ersetzen, weil es auch tatsächliches /gg/ gibt.

Wenn ihr wollt könnt ihr euch auch euere eigene Schreibweise überlegen. Damit kann man seine Freude haben.

http://www.academia.edu/1397622/Gotische_Grammatik_-_Part_I

Hier kommt noch ein Beispiel, daß ihr sieht, wie diese Schreibweise angewandt wirkt. Es handelt sich um den Anfang von Markus XII. Zum Vergleich folgt die gleiche Stelle in Wulfilas Schreibweise.

1 Jah dugann im in gajukōm qiþan: wīnagard ussatida manna jah bisatida ina faþōm jah usgrōf dal uf mēsa jah gatimrida kēlikn jah anafalh ina worstwjam jah aflaiþ aljaþ. 2 Jah insandida du þaim worstwjam at mēl skalk, ī at þaim worstwjam nēmi akranis þis wīnagardis. 3 Iþ īs nimandans ina usbluggwun jah insandidēdun laushandjan.

1 Jah dugann im gajukom qiþan: weinagard ussatida manna jah bisatida ina faþom jah usgrof dal uf mesa jah gatimrida kelikn jah anafalh ina waurstwjam jah aflaiþ aljaþ. 2 Jah insandida du þaim waurstwjam at mel skalk, ei at þaim waurstwjam nemi akranis þis weinagardis. 3 Iþ eis nimandans ina usbluggwun jah insandidedun laushandjam.

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15 Kommentare
  1. augadauro permalink

    Irgendwas ist hier bei der Veröffentlichung schief gegangen? Ich kann deine alternativen Schreibungen nicht sehen, dafür färbt sich der Text beim drübergehen mit der Maus ein, so als ob es sich um Links handeln würde (die sich aber nicht anklicken lassen)? z.B. hier: „Ich würde gerne nur noch dann und verwenden, wenn germanisches /aʊ/ und /aɪ/ gemeint ist.“

  2. Ich weiß nicht, warum sich das alles verfärbt. Ich habe die Schreibweise, die ich vorschlage in dem Eintrag erklärt. Vielleicht gebe ich als Beispiel einen kleinen Absatz aus der Bibel hinzu. Mir ist keine Einleitung eingefallen, darum habe ich einfach so geschrieben. Leute, die das interessiert kennen sich so wie so mit Wulfilas Schreibweise aus.

  3. augadauro permalink

    Mir geht es darum, dass die Schreibweise, die du vorschlägst, bei mir eben nicht angezeigt wird. Wulfilas Schreibweise kenne ich.

  4. Es geht immer noch nicht. Wenigstens kann man inzwischen das Textbeispiel sehen. Dort sind auch die meisten meiner Änderungen zu sehen.

  5. Ich habe die spitzigen Klammern durch Apostrophen ersetzt. Jetzt ist nichts mehr rot. Lieber hätte ich die spitzigen Klammern behalten, weil man sie verwendet, um zu zeigen, wie etwas geschrieben wird.

    • augadauro permalink

      Hier ist es scheinbar noch nicht ganz sauber lesbar: „Früheres geschlossenes langes /oː/ vor einem anderen Selbstlaut wurde als geschrieben und offen ausgesprochen. Hier würde ich am ehesten oder schreiben.

      Die aus dem Griechischen übernommene Schreibung für /ŋ/ würde ich durch ersetzen, weil es auch tatsächliches /gg/ gibt.“

      Mich erinnert das Ganze etwas an die Normalisierungsbestrebungen, die es v.a. in früheren Editionen im Althochdeutschen gab, bzw., die auch heute noch in der Edition altnordischer Texte vorherrschen. Gerade im Althochdeutschen kommt man zunehmend davon weg und druckt die Texte möglichst so ab, wie sie auch in der Handschrift stehen. Generell stehe ich diesen Normalisierungsbestrebungen recht kritisch gegenüber. Es liest sich normalisiert zwar ganz nett und mag für den Sprachlerner für den Anfang auch eine Hilfe sein, aber sobald dann angefangen wird, von den Editionen loszukommen und tatsächlich nicht-normalisierte Texte gelesen werden, wird es für Viele Lernende schwierig. Dieses Argument der Schwierigkeit mag für deinen Vorschlag vielleicht nicht gelten, weil das Gotische an sich eine erstaunlich konsequente Sprache ist hinsichtlich ihrer Schreibung, aber ich stehe diesen Normalisierungsbestrebungen einfach generell kritisch gegenüber. Mein Interesse liegt aber auch nicht an der Wiederbelebung alter Sprache, sondern eher an struktureller Analyse frühester schriftlicher Sprachbelege in den germanischen Sprachen.

  6. Bei Mittelhochdeutsch finde ich das lästig, daß man so schwer an die Ursprünglichen Textgestalten kommt. Normierte althochdeutsche Texte habe ich bisher nicht bewußt gelesen, aber ich habe davon gelesen, daß es die gibt. Ich finde, daß es das beste wäre, wenn man originalgetreue Texte mit einpaar Anmerkungen zur Aussprache hätte. Vokallängen könnten ruhig durchgängig markiert werden, wenn darauf hingewiesen wird, daß sie hinzugefügt wurden. Noch wichtiger wäre das bei Latein. Da weiß ich nämlich immer noch nicht alle Längen. Bei der lateinischen Ausgabe von Alice sind zum Glück die Längen angegeben. Auch bei der althochdeutschen Ausgabe vom Kleinen Prinzen muß man sich darüber keine Gedanken machen. Die ist übrigens auf Altalemannisch geschrieben. Ob man ‚zz‘ dort als ‚ts‘ oder als ’ss‘ liest, muß man aber je nach Wort selbst wissen.

    Meine Schreibweise, ich hoffe man kann sie jetzt ganz lesen, wäre nicht für alte Texte, sondern für neue. Ich würde sie vielleicht später verwenden, aber noch kann ich nicht gut genug Gotisch, um selbst zu schreiben. Ich kann mich viel mehr in eine Sprache hineinleben, wenn ich sie auch verwenden kann, auch wenn es nur ist, um einen Roman zu lesen. Ich forsche gerne, aber vor allem mit dem Ziel mit den Ergebnissen einmal mehr anfangen zu können.

  7. augadauro permalink

    Bei der mittelhochdeutschen Editionswissenschaft ist derzeit Einiges in Bewegung. Es kann davon ausgegangen werden, dass es in einigen Jahren zunehmend nicht-normalisierte Editionen geben wird. Ansonsten bleiben in der Zwischenzeit bereits vervollständigte Projekte, wie z.B. das Corpus altdeutscher Originalurkunden oder Ähnliches. Im Mittelhochdeutschen sind die Handschriften auch nicht so furchtbar schwer zu lesen im Vergleich zu späteren Schriften, wie beispielsweise einer unordentlichen Bastarda oder generell von Kursivschriften, bei denen der Individualschriftstil des Schreibers zunehmend sichtbar wurde. Handschriften sind an diversen Orten im Internet frei als Faksimile einsehbar.

    Problematisch am Mittelhochdeutschen ist, dass die grossen Epen, wie beispielsweise Parzival, als solche bereits in einer dialektübergreifenden Kunstsprache niedergeschrieben wurden und somit kaum den tatsächlichen Sprachgebrauch wiedergeben (Arbeiten gibt es z.B. von Wegera dazu). Viele Editionen normalisieren nicht nur die Sprache einer Handschrift, sondern werfen da diverse Handschriften in einen Topf und generieren daraus einen flüssig zu lesenden Text, der so aber nirgendwo überliefert ist.

    Ich sehe auch die nachträgliche Anbringung von Längenzeichen kritisch, aber ich bin sowieso Fan diplomatarischer Ausgaben. Im Latein gibt es, glaube ich, auch Lerneditionen mit Ausschnitten klassischer Texte, in denen die Längen teils angegeben sind. Vielleicht wäre das etwas für dich zum Üben? Oder Lyrik? Da sind Längen und Kürzen ja recht relevant für das Metrum. Mir hat das damals ziemlich geholfen.

    Gelegentlich schreibe ich auch etwas in alten Sprachen, aber da geht es mir eher darum, ein Gefühl für sprachliche Nuancen zu bekommen, entsprechend halte ich mich da auch an die klassischen Schreibungen und erfinde auch keine neuen Wörter.

  8. Bei manchen lateinischen Texten und sogar bei ganzen Büchern habe ich die Längen von Hand eingetragen. Ich mußte dafür aber immer viel nachsehen. Auch bei einpaar Asterixheften habe ich das gemacht. Die sind übrigens so geschrieben, daß möglichst viel von der Grammatik und viele Zitate aus verschiedenen Zeiten vorkommen. Darum ist das Latein auch nicht immer klassisch.

    Daß man jetzt auch unveränderte Texte herausgibt dünkt mich einen Fortschritt. Die vereinheitlichten Ausgaben sollte man aber trotzdem nicht in den Papierkorb werfen, weil sie doch auch etwas besonderes sind und die intensive Beschäftigung mit dem Mittelhochdeutschen und dem Althochdeutschen dokumentieren.

    Über lateinische Lyrik müßte ich mir einmal ein Buch kaufen. Ich kann nicht alle Versmaße richtig aussprechen. Einpaar habe ich aber beim Lesen eingeübt. Klassisches Latein habe ich aber nur wenig gelesen. Trotzdem ist es mir wichtig, die klassische Aussprache zu können.

    Für mich fühlen sich verschiedene Sprachen sehr verschieden an und ich möchte mehr Sprachen können und spüren.

    Und ich erfinde gerne Wörter. Ich denke sie mir aber nicht einfach so aus, sondern baue sie aus vorhandenen Bestandteilen auf. Transponate verwende ich auch.

  9. augadauro permalink

    Die normalisierten Ausgaben haben durchaus ihre Berechtigung, sind aber halt auch je nach Verwendungszweck lästig. Man muss sich bei der Anschaffung einer Ausgabe überlegen, wozu man sie braucht. Einen Schritt zu mehr Vielfalt finde ich dahingehend sehr gut.

    Unterschiedliche Sprachen fühlen sich tatsächlich sehr unterschiedlich an, aber mir reicht das Gefühl beim Lesen originaler Texte.

    Du könntest dir auf Latein z.B. auch die Aeneis vornehmen, diese ist in Distichen verfasst, da kommt man leicht in den Rhythmus rein. Ich finde, sie liest sich auch recht flüssig, auch wenn ich bislang nur Ausschnitte übersetzt habe. Allenfalls würde ich mich auch zu einer gemeinsamen Lektüre hinreissen lassen, jedoch erst ab irgendwann Mitte September oder so und nur in kleinen Etappen.

    • augadauro permalink

      Sorry, Korrektur, Die Aeneis ist in Hexametern abgefasst. Ebenso wie die Metamorphosen Ovids, die sich auch ganz nett lesen.

  10. Zusammen lesen finde ich reizvoll, übersetzen tu ich aber fast nie. Wir könnten uns auch etwas auf Althochdeutsch suchen. Für Latein ist mir gestern folgende Seite aufgefallen:

    http://thelatinreadingblog.blogspot.co.at

    Prosa kann ich sehr flüssig lesen, weil ich das viel geübt habe. Mit den Gedichten kenne ich mich eben nicht so gut aus. Immer ein bißchen zu lesen ist mir recht.

  11. augadauro permalink

    Den Link schaue ich mir später an. Mein Latein ist etwas eingerostet, weil ich in den letzten Jahren nur noch Vulgärlateinische Texte oberflächlich gelesen habe. Übersetzen tue ich auch eher selten, nur bei Textstellen mit denen ich sonst nicht zurechtkomme.

    Wie wäre es sonst mit Notkers Consolatio und Boethius Original parallel? Dann hätten wir beides. Notker zeichnet teils auch Akzente, bzw. Längen in seine Handschriften ein.

    Per Mail? Falls ja, gerne an die Adresse, die bei den Kommentaren angegeben ist.

  12. Ja, ich glaube, die ist so wie so im Lesebuch. Vulgärlatein mag ich sehr. Und ich interessiere mich für die frühe Entwicklung romanischer Sprachen. Ich habe hier noch eine Seite, wo es zwar um eine romanische Kunstsprache geht, aber wo auch viel über westromanische Besonderheiten steht. Mit Althochdeutsch eilt es mir nicht, wenn du zur Zeit viel zu tun hast. Ich muß auch noch anderes machen und möchte weniger am Computer sein. Notker geht recht gut zu lesen.

    http://www.carolandray.plus.com/BART/

  13. augadauro permalink

    ja, im Lesebuch sind Ausschnitte drin. Ggf. kann ich die vollständige Ausgabe als pdf auftreiben. Bei der lat. Vorlage geht das auf jeden Fall mit der kritischen Ausgabe. Rest später.

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