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Wörter die das gleiche heißen

Dezember 31, 2014

Obwohl Berbice-Niederländisch nur einen kleinen Wortschatz hat, kommt es vor, daß zwei Wörter einen anderen Ursprung, aber die gleiche Bedeutung haben. Von solchen Paaren handelt dieser Beitrag.

Adungkan und waban

Beide heißen ‚lauern‘, also wenn man auf der Jagd ist. Adungkan (Silvia: 1994, 555), die Betonung ist hinten (Silvia: 1994, 290), ist ein arawakisches Wort, und scheint von adonkon (Marie-France: 2011, 41) zu kommen. Die Endung -on hat eine andere Bedeutung als -an, genauer weiß ich es nicht. (Willem: 2011, 25) Die meisten Tätigkeitswörter aus dem Arawakischen haben das n am Schluß verloren. Tɛlɛkɛdan, von arawakisch telekedan (Marie-France: 2011, 208) scheint das einzige weitere Beispiel zu sein. Es bedeutet ‚ausrutschen‘. Fürs Berbice-Niederländische ist es nur durch den größtenteils arawakischstämmigen Ernest Harold King, vom Bach Wiruni bekannt. (Silvia: 1994, 666) (Silvia: 1994, 23-24) Ich vermute, daß Menschen, die am Wiruni wohnen eher unveränderte arawakische Wörter verwenden, weil die meisten von ihnen Arawakken sind (Silvia: 1994, 17). Weil nebeneinanderstehende Silben in tɛlɛkɛdan e enthalten, ist jedes e, wie auch sonst im Berbice-Niederländischen, offen (Norval et alii: 1987, 77) (Silvia: 1994, 278).

Arwada und gunggu

Beide heißen ‚krabbeln‘. Schon die alte Wortliste von Pieter Constantijn Groen hatte arowade (Constatijn: 1794, 75). Auf Arawakkisch sagt man arhoadun (Marie-France: 2011, 48) . Gunggu (606) wurde von Berta Bell vom Wiruni und Beresford Causeway und Rita Thomas von der Berbice verwendet. Ob ich für Wiruni und Berbice die richtigen Artikel verwende, weiß ich nicht. Ebenso ist mir die Herkunft von gunggu unbekannt.

Akalu und manti

Akalu kommt von kalabarisch akalú (Norval et alii: 1987, 82), und ist die allgemeine Bezeichnung für den Mond (Silvia: 1994, 555). Manti ist eines dieser Wörter, das zur Zeit Silvias Erhebungen nur noch Amos Johannes Clarke verwendet hat (Silvia: 1994, 22). Sein Dialekt hat surinamische und holländische Einflüsse (Silvia: 1994, 639). Auf Negerholländisch heißt der Mond Maand (Christian: 1767/1768, 92). Das holländische maand bedeutet jedoch ‚Monat‘. Im Westindischen Glossar, welcher in der Ausgabe von 1996 den Anhang bildet, steht dafür das umgangssprachliche, vereinfachte Mann (Christian: 1767/1768, 184). Beachte, daß 92 das doppelte von 184 sei. Mann ist im Westindischen Glossar nur deswegen groß, weil alle Einträge groß anfangen. Akalu, akalú (Unbekannt: 2008, 15) und Maand bedeuten beide auch ‚Monat‘, von manti nehme ich das nur an.

Acusawano (45) und toro hari

Toro hari heißt inzwischen Augenbrauen und Wimpern (Silvia 1994: 688). Bei Pieter (1794, 75) heißen die Augenbrauen noch acusawano, und nur die Wimpern torro hari (Pieter 1794: 70). Acusawano ist eine verdeutlichende Zusammensetzung aus akôsa ‚Augenbraue‘ (Marie-France 2011: 137) und wánnana ‚Auge'(Marie-France 2011: 457). Acusawano ist sehr lang, darum vermute ich, daß es nicht fester Bestandteil des Berbice-Niederländischen war. Wenn doch, dann wäre es gekürzt worden. Wánnana habe ich aus dem im letzten Abschnitt von Marie-Frances Wörterbuch in französischer Übersetzung abgedruckten Herrnhuter Wörterbuch.

Blɛkɛ und blokotoko

Diese beiden Wörter bedeuten ‚Stößel‘. Woher blɛkɛ (Silvia: 1994, 294) kommt, weiß ich nicht, bloko heißt aber ‚Mörser‘ (Silvia: 1994, 575). Silvia hat geschrieben, daß toko (von stoko, Silvia: 1994, 575) alleine nicht vorkomme (Silvia: 1994, 271). Der Bestandteil toko entspricht lautlich dem toko, das ‚Kind‘ heißt. Daß der Stößel das Kind vom Mörser sei, ist auch nicht weit hergeholt, besonders weil der Pfeil pili heißt, und der Bogen pili mama. (Silvia: 1994, 651) Ähnlich wie mit stoko (Silvia 1994, 661) und toko ist es auch mit *stan in furstan oder frustan (Silvia: 1994, 601) und tan (Silvia: 1994, 665).

Bolokori und lombo bolo

Bolokori (Silvia: 1994, 575) und lombo bolo (Silvia: 1994, 636) stehen beide für ‚Durchfall‘ und wahrscheinlich auch für ‚Bauchweh‘. Das erste ist eine Verbindung aus ‚Bauch‘ und ‚Arbeit‘. Im guyanischen Englisch sagt man auch belly wuk. Ob es davon entlehnt ist, weiß ich nicht. Lombo bolo heißt wörtlich ’schlechter Bauch‘. Bei Wiwords steht sowohl bei belly wuk, als auch bei bad belly „Diarrhea or other forms of upset stomach“.

Duburi und tɛnggɛrɛ

Duburi heißt ‚Stachelrochen‘ und ist arawakischen Ursprungs (Silvia: 1994, 588). Bei duburi steht ein Verweis auf tɛnggɛrɛ, das auch Stachelrochen heißt (Silvia: 1994, 666). Bei Marie-Françe heißt der Stachelrochen auf Arawakisch doburi und duburhi (2011, 73).

Dunggru bita und mono bita

Dunggru bita ist mit ’nightdress‘ übersetzt, mono bita mit ’nightwear‘ (Silvia: 1994, 589 und 643). Ich glaube, daß beides ‚Pyjama‘ und ‚Nachthemd‘ heißen kann. Dunggru bita könnte eine wörtliche Übersetzung von nightdress sein.

Dungkwati und niskíriki

Dungkwati kommt von kwaad doen. Nicoline hat für Negerholländisch doe quaat und quaatdoen (Nicoline 2010, 423). Negerholländisch und Berbice-Niederländisch haben gerne vertauschte Wörter. Man sagt dort auch maak klaar (Christian: 1767/1768-1996,138) statt holländischem klaarmaken ‚bereiten‘. Das ist gleich wie berbice-niederländisch maklara (Silvia: 1994, 637). Die Tätigkeit wird also vor die Eigenschaft geschoben. Bei dungkwati denke ich mir, daß dun und *kwati erst als unabhängig aufgefaßt wurden. Drei Mitlaute vor dem betonten Selbstlaut wäre in einem monomorphemischen Wort doch zu viel. Außerdem wird dun auch einzeln verwendet. Niskíriki (Silvia: 1994, 646) leitet Nicoline (2010, 476) von nieuwsgierig ab, was ’neugierig‘ bedeutet. Das k kommt, wie mir scheint, von der Assimilation an s. Berbice-Niederländisch hat kein z, also kein stimmhaftes s, also mußte das g nachgeben. Amos hat zwischen Liquiden und Plosiven die Selbstlaute beibehalten. So hat er zu skalki skáliki gesagt (Silvia 1994, 658), forku war bei ihm fóruku (Silvia 1994, 599), und zu karbu hat er kárubu gesagt (Silvia 1994, 621), was der arawakischen Form karobo ähnlich ist (Marie-France 2011, 117). Nach Silvia (1994, 299) sind diese Formen älter.

Jabnaki und dungru pudi

Jabnaki kommt von Jan bij Nacht (Silvia: 1994, 615). Jan Jacob Hartsinck (177, 97) hat die Schreibweise Jan by nacht verwendet. Ich habe es über ein Zitat aus dem Woordenboek van het Surinaams-Nederlands, auf der Internetzseite etymologiebank.nl gefunden. Das andere Wörterbuch von Jan van Donselaar (2013) hat keinen Eintrag dazu. Dungru pudi (Silvia: 1994, 653) wird wie jabnaki mit nightmonkey übersetzt, und hat einen Verweis auf jabnaki. Dort ist auch der lateinische Name Potos flavus angegeben, der mir geholfen hat mehr über das Tier zu erfahren. Auf deutsch heißt es Wickelbär. Dungru pudi scheint eine Lehnübersetzung von nightmonkey zu sein. Daß ein g fehlt, kommt vielleicht davon, daß das Wort lang ist. Bestimmt ist es aber auch richtig das g mitzusagen.

Kadikiri und kaʃirepu

Wo Kadikiri herkommt, weiß man nicht (Silvia: 1994, 618). Kaʃirepu kommt vom guyanisch englischen cassareep [ka:Zrep]. Auf Arawakisch sagt man selei. (Silvia: 1994, 622 ← gilt für die letzten zwei Sätze) Wie kaʃirepu betont wird, weiß ich nicht.

Kulheri und smoku

Kulherikurheli oder kuruhili heißen ‚Rauch‘ (Silvia: 1994, 630). Sie entsprechen im Arawakischen korhêli oder korêheli (Marie-France: 2011, 136). Kuruhili ist nur von Beresford Causway von der Berbice bekannt, der zum größten Teil von Arawakken abstammt (Silvia: 1994, 22). Der Eintrag hat einen Verweis auf smoku. Es kommt vom Englischen smoke. Lehnwörter, sogar späte, wurden gerne mit Stützvokalen versehen. Man sieht an moku (Silvia: 1994, 642), das vom holländischen mok abstammt (Nicoline: 2010, 466), war das u gut gewählt. Moku heißt ‚Tasse‘.

Soari und kwaʃinat

Kwaʃinat ist eine von Arnold King auf Silvias Frage nach einer berbice-niederländischen Bezeichnung für die im guyanischen Englisch quash nut genannte (Silvia: 1994, 633) Butternuß (Caryocar nuciferum). Jan van Donselaar gibt an, daß das surinamisch-holländische sawari aus dem Karibischen komme (Jan: 2013, 195). A Carib Grammar and Dictionary von Henk Courtz (2008) bestätigt dieses. Ich habe die Internetzseite mit dem auf letzterem beruhenden Wörterbuch verwendet. Das Wort Souari wird auch international verwendet. Wie es ausgesprochen wird, weiß ich nicht. Bei soari würde ich für Berbice-Niederländisch ein w zwischen o und a erwarten, weil die Verbindung oa sonst nicht vorkommt (Silvia: 1994, 294).

Quellenangaben

Waliʃi und mutɛtɛ

Das ist ein Korb, den man auf dem Rücken trägt. Ein Riemen hält ihn am Kopf (Silvia: 1994, 672). Auf Arawakisch sagt man warishi (Marie-France: 2011, 226). Das gleichbedeutende mutɛtɛ (1994, 644) ist über das guyanische Englisch aus dem Kikongo gekommen (Silvia: 2006, 2)

Christian Georg Andreas Oldendorp (1767/1768, herausgegeben von Peter Stein und Hein van der Voort 1996), Criolisches Wörterbuch

Henrik Courtz (2008), A Carib Grammar and Dictionary, zitiert nach folgender Internetzseite:

http://www.caribdictionary.com

Jan van Donselaar (1989), Woordenboek van het Surinaams-Nederlands; zitiert nach folgender Internetzseite:

http://www.etymologiebank.nl/trefwoord/janbijnacht

Jan van Donselaar (2013, postum herausgegeben von Nicoline van der Sijs), Woordenboek van het Nederlands in Suriname van 1667 tot 1876

Jan Jacob Hartsinck (1770) Beschryving van Guiana, of de wilde kust in Zuid-America

http://www.dbnl.org/tekst/hart038besc01_01/hart038besc01_01_0012.php

Jeff Good (2009), Loanwords in Saramaccan, an English-based Atlantic creole of Suriname

http://www.acsu.buffalo.edu/~jcgood/jcgood-LoanwordsInSaramaccan.pdf

world.clld.org/vocabulary/36

Marie-France Patte (2011), La langue arawak de Guyane – Présentation historique et dictionnaires arawak-français et français-arawak

Norval S. H. Smith, Ian E. Robertson, Kay Williamson (1987) – The Ịjọ Element in Berbice Dutch

Nicoline van der Sijs (2010), Nederlandse woorden wereldwijd

Pieter Constantijn Groen (1794, herausgegeben von Ian E. Robertson 1994), Berbiciaansche Woorde

Silvia Kouwenberg (1994), A Grammar of Berbice Dutch Creole

Silvia Kouwenberg (2006), The Ịjọ-derived lexicon of Berbice Dutch Creole: an a-typical case of African lexical influence

Theophilus Salomo Schumann (1882), Arawakisch-deutsches Wörterbuch: Abschrift eines im Besitz der Herrnhuter Brüder-Unität bei Zittau sich befindlichen Manuscriptes; zitiert nach Marie-France (2011)

Willem Jan Agricola Pet (2011), A Grammar Sketch and Lexicon of Arawak (Lokono Dian)

http://www-01.sil.org/silepubs/Pubs/928474543236/e-Books_30_Pet_Arawak_Suriname.pdf

Wiwiwords ist eine reich bebilderte karibische Wörterbuchseite.

http://wiwords.com/word/belly-wuk

Unbekannt (2008), Kalabari Dictionary – A dictionary of Kalabari, a language of the Ịjọ group, spoken in the Niger Delta of Nigeria

http://www.rogerblench.info/Language/Niger-Congo/Ijoid/Kalabari/Kalabari%20dictionary.pdf

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