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Neue Wörter für Berbice-Niederländisch

Ich fange einfach an eine Wortliste zu schreiben. Etymologische Erklärungen kommen später dazu. Die ersten Wörter kommen übrigens von Sranan Tongo. Die lautlichen Unterschiede zwischen Sranan Tongo und Berbice-Niederländisch sind nur gering. Ich berücksichtige sie so gut ich kann. Da ich kein Sranan Tongo spreche, sind die Übersetzungen ungenau. Bei den Wörtern, wo ich sowohl eine zweisilbige als auch eine dreisilbige Ausgabe hinschreibe, ist die dreisilbige die altertümlichere. Es kann sein, daß einpaar dieser Wörter tatsächlich früher im Berbice-Niederländischen vorhanden waren, aber wir können es nicht wissen. Das wichtigste ist, daß sie dazu passen.

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Nicht alle, die über Berbice Niederländisch schreiben, verwenden die gleiche Schreibweise. Zum Beispiel hat Marco Evenhuis die holländisch anmutenden Schreibweisen ‚liefoe‘, ‚pielie‘, ’stieslie‘ und ‚beddie‘ verwendet. Die gleichen Wörter haben bei Silvia Kouwenberg die Schreibweise ‚lifu‘, ‚pili‘, ’stisli‘ und ‚bedi‘.

Die deutsche Wikipedia hat den Beispielsatz: „An en kuliman wa yen dang, hab shi korimanyap.“ Hier kommen die englischen Zeichen <y> und <sh> vor.

Auf Sranan Tongo wird ‚ei‘ oft als ‚e‘ geschrieben. Auf Berbice-Niederländisch kommt ‚ei‘ nur ein einsilbigen, offenen Wörtern vor. Wahrscheinlich ist es ein Alophon von ‚e‘. ‚Twe‘ sagt man aber nie mit ‚ei‘, sondern entweder mit offenem oder geschlossenem ‚e‘. Anscheinend ist das leichter auszusprechen. Weil Berbice-Niederländisch noch einige andere Diphthonge hat, paßt es auch gut dazu, wenn man ‚ei‘ schreibt. Ich wüßte gerne, ob man ‚o‘ in solchen Einsilblern als ‚ou‘ sagen würde.

Im Schlußwort von ‚Wereldnederlands‘ hat Nicoline van der Sijs (188, 189) für das offene /e/ das Zeichen <è> gebraucht, um Silvia Kouwenbergs Grammatik zu zitieren. Ein Beispiel dafür habe ich hier:

èkè gruitè di plèk watèk wa pama ju nam Matara ‚ik groeide op in de plaats waarvan ik je vertelde dat de naam Matar was'“

In ‚Nederlandse woorden wereldwijd‘ hat sie nur einfaches <e> verwendet und sowohl phonetisches als auch alophonisches [ʃ‘] immer mit <s> dargestellt.

In ‚The Ijo-derived lexicon of Berbice Dutch Creole: an a-typical case of African lexical influence‘ hat Silvia Kouwenberg zwischen <e> und <ɛ> unterschieden. Den Laut [ʃ] hat sie mit <š> geschrieben, und [ŋg] als <ng>. In ihrer Grammatik hat sie für [ŋg] noch <ngg> verwendet.

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adjosi – leb wohl – farewell – viszontlásásra

Sranan Tongo hat ‚adyosi‘, Negerholländisch CGAO hat ‚adjo‘. Diese Verabschiedung war demnach weit verbreitet. Die Endkonsonanten gingen im Negerholländischen gerne verloren.

apiti – Kassabisuppe – cassava soupe

Wie auch bei anderen arawakkischen Wörtern weiß ich die Betonung von ‚apiti‘ nicht. Ich vermute, daß ‚apiti‘ das allgemeine arawakkische Wort für eine gebundene Suppe ist.

asin/asini – Essig – vinegar – aceto – ecet

CLS hat ‚asíni‘, HCF ‚azièn‘ und HRW ‚azini‘ und ‚azien‘. Das erhaltene ‚i‘ in ‚benianga‘, auf das Silvia Kouwenberg hingewiesen hat, läßt vermuten daß früher im Berbice-Niederländischen hinter ’n‘ öfter Stützvokale vorhanden waren. ‚Dana‘ und ‚bono‘ haben auch Stützvokale.

atre, atri/aktere, aktiri – Rücken, hinten

Beide Formen sind aus der gleichen Zeit. PCG hat ‚agtere‘ geschrieben. Es kann sein daß das ‚g‘ erst mit dem zweitletzten, unbetonten Selbstlaut geschwunden ist. Es gab auch später noch Wörter mit ‚kt‘.

balki – Balken – beam – trave – gerenda

basra – Bastard – bastard – bastardo – korcs

‚Basra‘ ist ein sranantongisches Wort mit Umstellung. Thomas Stolz (1986) hat für Berbice-Niederländisch, das er nur Berbice nennt, auch solche Umstellungen angenommen.

beri – Ohr – ear – orecchio

PCG hat ‚bere‘ geschrieben. Ich weiß nicht, wie die Aussprache damals war, aber für die moderne Aussprache ist es besser <i> und <e> am Schluß in der Schreibung zu unterscheiden, weil man sich dann die geschriebene Unterscheidung zwischen <e> und <ɛ> sparen kann.

blaba – kleines Kind

Mir gefällt, wie Margot van den Berg (2013) ‚blabba‘ von ‚blabbelaar‘ abgeleitet hat. Ich mache es aber lieber ein bißchen anders. Von ‚brabbel‘ gehe ich zu ‚blabber‘, dann zu ‚blabbra‘ und dann zu ‚blabba‘. Das ‚a‘ wäre bei mir ein Stützvokal und das ‚r‘ wäre geschwunden. Als Grund dafür, daß hinten ein ‚a‘ kommt, und nicht ein ‚u‘, wie es nach ‚b‘ häufig ist, nehme ich an, daß man zwei ähnliche Silben haben wollte, wie ich es auch bei ‚hebe‘ annehme.

bosu/búrusu – Brust – chest – petto – mell

Das Wort ‚hati‘, das auch im Sranan Tongo vorkommt, heißt auch ‚Herz‘. Bei CLS und HCF ist ‚hatti‘ das einzige Wort das die Brust bezeichnen kann. Ab HRW kommt ‚borsoe‘ hinzu. Als Vorbild für die berbice-niederländischen Entsprechungen diente mir ‚kosu/kúrusu‘, dem Wort für Fieber. Dessen Entsprechung im Sranan Tongo ist ‚korsu‘. Beide stammen von holländischem ‚koorts‘.

boslo/bósolo – Bürste – brush – spazzola – kefe

Auf Sranan Tongo, auch Negerenglisch genannt, heißt es ‚bosro‘, von Niederländisch ‚borstel‘. Aukanisch ‚bosoo‘, das aber ‚Borsten‘ bedeutet (Nicoline 2010), weist auf eine frühere zweitletzte Silbe ’so‘ hin. Das ‚r‘ ist zwischen Selbstlauten gern entfleucht.

brei – stricken – knit – fare la calza – köt

Hier ist das Vorbild wieder aus dem Negerholländischen von Suriname. Auf normalem Holländisch sagt man ‚breien‘.

dini – dienen – serve – servire – szolgál

Gleich ist es mit ‚dini‘, das von Holländisch ‚dienen‘ kommt. Möglich wäre es auch, daß man nur ‚din‘ gesagt hätte. Auch Wullschlägel (1856) kannte schon ‚dini‘.

dofu – taub – deaf – sordo – süket

Bestimmt kann ‚dofu‘ unverändert aus dem Sranan Tongo übernommen werden. Der Stützvokal ist nämlich im Berbice-Niederländischen nach ‚f‘ ein ‚u‘.

dondo-mingi – Muttermilch

Die Zusammensetzung bedeutet Brustwasser. Die Vorbilder dafür sind Kalabarisch ‚ńdó mínjí‘ und sranantongisches ‚bóbbi-watra‘ CLS und ‚bobi-wátra‘ HCF. Im heutigen Sranan Tongo sagt man ‚bobimerki‘, also Brustmilch.

dopu – taufen – babtise – battezzare – megkeresztel

druifi – Traube – grape – uva – szőlő

Auf Sranan Tongo sagt man ‚droifi‘. Auf Negerholländisch hat CGAO ‚Drufje‘ (117). Das <u> wird ihm zufolge als ‚ü‘ ausgesprochen. Andere Dialekte haben ‚i‘. Das ist vergleichbar mit ‚Dufje‘ (115), das im Westindischen Glossar als ‚difie‘ (182) zu finden ist. Je nachdem, ob das Holländische von Berbice in der Aussprache dem Holländischen von Suriname oder dem Negerholländischen der Jungferninseln ähnlicher war, wäre die geeignetere Wortform entweder ‚druifi‘ oder ‚drifi‘.

dwarsi – quer – across – attraverso – keresztül

dwingi – zwingen – force – costringere – kényszerít

Sranan Tongo und Berbice-Niederländisch haben vor ’ng‘ lieber ‚i‘ und ‚u‘ als ‚e‘ und ‚o‘. Die neue sranantongische Schreibung ‚dwengi‘ läßt vermuten, daß ‚dwingen‘ auch ins Berbice-Niederländische schon mit ‚e‘ übernommen worden wäre. Das heutige kurze ‚i‘ im Holländischen ist einem ‚e‘ ähnlich. Jemand, den ich gefragt habe, glaubt, daß ‚ing‘ und ‚ung‘ ererbt seien. Der Beschreibung von Hendrik Charles Focke (1855, XI) zufolge hat man zu seiner Zeit ‚Dwíngi‘ (27) mit ‚i‘ ausgesprochen.

ferfu/férufu – bemahlen – paint – dipingere – befest

fingri – Finger

PCG hat ‚vingre‘ geschrieben.

fluku – fluchen – curse – bestemmiare – szitkozódik

fringi/wringi – wringen – kifacsarni

Negerholländisch hat ‚wring‘ und ‚frin‘ NvdS. Das Beispiel von Sranan Tongo ‚frifi‘ oder älter ‚wrifi‘ und Berbice-Niederländisch ‚frifu‘ NvdS zeigt, daß das ‚wr‘ am Wortanfang, wenn es schon eine Zeit lang in der jeweiligen Kreolsprache vorhanden gewesen ist, zu ‚fr‘ wurde. Wie bei ‚dwingi‘ könnte statt dem ersten ‚i‘ auch ein ‚e‘ stehen.

gadri – Veranda – verandah – veranda – veranda

geli – gelb – yellow – giallo – sárga

Das berbice-niederländische Wort ‚geli‘ heißt nur ‚Eigelb‘. Heutiges Sranan Tongo hat ‚geri‘.

glati – glatt – smooth – liscio – síkos

gui frídaka – Karfreitag

Auf Negerholländisch heißt es nach CGAO ‚die goeje Fridag‘. Auf Afrikaans heißt es ‚Goeie Vrydag‘. Es kann gut sein, daß man den ganzen Begriff übernommen hätte. Gut möglich wäre aber auch eine wörtliche Übersetzung als ‚moi frídaka‘, wie die sranan-tongische Form ‚boen vrydei‘ bei HRW zweigt.

hali – holen/einholen – fetch/pull in – tesare/calare – hozni/behúzni

hari – Haar

PCG hat auch ‚hari‘ geschrieben.

hati brandi – wut – anger – rabbia – düh

helpu-man – Helfer – helper – aiuto – segitő

hogo – Auge – eye – occhio – szem

Dieses Wort stammt aus dem Negerholländischen, wo es die Form CGAO ‚Hoogo‘ hat. Es scheint, daß man häufigen Wörtern, deren erste Silbe aus einem Vokal bestand und deren zweite Silbe mit einem Plosiv anfängt ein ‚h‘ vorangestellt hat. Viele Kreolsprachen haben bei manchen Wörtern vorne ein ‚h‘ bekommen. Normalerweise verwendet man auf Berbice-Niederländisch ‚toro‘ für ‚Gesicht‘ und ‚Auge‘. Ich finde es aber geschickt, wenn man die Möglichkeit hat, sich bei Bedarf klarer zu äußern. Da trifft es sich gut, daß das kalabarische Wort, von dem ‚toro‘ herrührt nur ‚Gesicht‘ bedeutet.

holosi – Uhr – clock/watch – orologio – óra

Bei IER steht für Essequibo-Niederländisch ‚hɔlʌsi‘ und für Negerholländisch ‚holochi‘. CGAO hat ‚Horlooschi‘.

horo – hören – hear – udire – hallani

PCG hat ‚hori‘ aufgeschrieben. Wahrscheinlich waren zu dieser Zeit die Endvokale noch nicht gefestigt. Dazu gibt es Untersuchungen über Sranan Tongo.

jamsi/jámisi – Yamswurzel – yam – igname – yamgyökér

‚Jamsi‘ hat Silvia Kouwenberg als möglicherweise Englisch angezeichnet. CLS hat ‚jámmessi‘ und ‚jámmisi‘, HCF nichts und neues Sranan Tongo hat ‚yamsi‘ und ’nyamsi‘. Letzteres könnte eine Vermischung mit ’nyan‘, ‚essen‘ sein.

jefi – essen – eat – mangiare

PCG hat ‚jeffi‘ geschrieben. Stimmlose Konsonanten schrieb er anscheinend gerne doppelt.

kániki – Krug – jar – brocca – korsó

kati – Karte – card – carta – jegy

kautu-titi – Winter – winter – inverno – tél

Christian Geor Andreas Oldendorp riet in seinem Wörterbuch vor daß man für Negerholländisch „die koud Tied“ sollte. (Eintrag 3148, auf Seite 145) Das gefällt mir. ‚Ene-titi‘ gibt es schon. Das heißt Regenzeit. Auf Sranan Tongo gibt es das wenig angepaßte ‚wenter‘ NvdS. Das könnte man auch manchmal verwenden. Der berbice-niederländischen Lautung entspräche ‚wentre‘. Bei HRW steht für Sranan Tongo ‚kouroe-tem‘.

kiní – Knie – knee – genocchio – térd

Berbice-Niederländisch hat für ‚Knie‘ das Wort ‚kini‘, mit der Betonung auf dem ersten ‚i‘. Wie auch bei Sranan Tongo hat sich die Betonung in vielen Wörtern mit der Zeit auf die zweitletzte Silbe verschoben. Negerholländisch hat für ’schneiden‘ ‚šiní‘ TS und wahrscheinlich für ‚Knie‘ neben ‚kini‘ auch ‚kiní‘. Ein bekanntes Beispiel für diese Entwicklung im Sranan Tongo zeigt das Wort ‚wroko‘, über ‚wóroko‘ von ‚woróko‘ kommt. Unten steht ein Zitat dazu.

kompasi – Kompaß

Bei HRW habe ich ‚kompási‘ gefunden. Bei NvdS hingegen steht nur ‚kompas‘, wie auf Holländisch.

kosn – Kissen – cushion – cuscino – párna

leki – lecken/rinnen – leccare/buttare – nyalni/lék

lombo-nama – Tiger – tiger – tigre – tigris

Das ist eine Lehnübersetzung zu ‚ougrimeti‘ CLS. Auch zu dieser frühen Zeit gab es auf Sranan Tongo schon das Wort ‚tigri‘, das man genau so aus dem Berbice-Niederländischen kennt. Solche Wörter, habe ich gelesen, wurden von Europäern mitgebracht. Die Afrikaner hätten nicht gewußt, was ein Tiger sei.

lísiri – horchen, losen – hark, listen – ascoltare – hallgatni

‚Lísiri‘ habe ich von ‚luster‘ (CGAO: 79, Eintrag 1161) abgeleitet. Es gibt immer noch die seeländische Form ‚luuster‘. ‚Sehen‘ heißt ‚kiki‘, ‚kucken‘ heißt ‚luru‘. Ich finde, daß es die gleiche Unterscheidung auch zwischen ‚hören‘ und ‚horchen‘ geben sollte. Sranan Tongo hat für ‚hören‘ ‚yere‘ und für ‚horchen‘ ‚arki‘. Dort heißt ’sehen‘ ’si‘ und ‚kucken‘ ‚luku‘. Der Ursprung dieser Wörter im Sranan Tongo ist englisch, also sind sie schon sehr früh in die Sprache gekommen. Eines meiner lautlichen Vorbilder für ‚lísiri‘ ist ‚íʃiri‘ von ‚ijzer‘ gewesen.

mangi – rennen

PCG hat ‚manje‘ geschrieben.

mosu/múrusu – beschmutzen – stain – sporcare – bepiszkít

mormo – Murmel – marble – biglia – üveggolyó

Ob ich negerenglisches (Sranan Tong0) ‚mormo‘ übernehmen kann, weiß ich noch nicht. Trotz der Ähnlichkeit mit dem deutschen Wort ‚Murmel‘ konnte ich keine holländische Entsprechung finden. Es kann aber gerade bei diesen Dingern, die überall anders heißen, ein Dialektwort der Ausgang gewesen sein.

muisi – Computermaus

Bei diesem Wort kann man sich sicher sein, daß holländisches ‚ui‘ und nicht seeländisches ‚uu‘ übernommen worden wäre. Sranan Tongo macht aus ‚ui‘ ‚oi‘. Berbice-Niederländisch macht daraus ‚ui‘, das aber im Gegensatz zum Holländischen tatsächlich so gesprochen wird. Aus dem seeländischen ‚uu‘ wird ‚i‘. Im Wort ‚flermisi‘ kann man es sehen, weil es alt ist. Auf Negerholländisch heißt ‚Maus‘ CGAO ‚Mischi‘.

noto – Nuß – nut – nuce – dió

pénstaka – Pfingsten – Whitsuntide – Pentecoste – pünkösd

Dieses Wort ist eine Mischung aus Arawakisch ‚Pinkstdaka‘, Sranan Tongo ‚penkster‘ NvdS und Negerholländisch ‚pinstu‘ NvdS. Daneben hat Negerholländisch noch ‚die derde groot Sondag‘ CGAO. Berbice-Niederländisch hat ‚grósndaka‘, das ‚Feiertag‘ und vor allem ‚Weihnachten‘ bedeutet. Es kann sein, daß man bei früher Entlehnung auf ‚péndaka‘ gekommen wäre. ‚Daka‘ heißt auf Berbice-Niederländisch ‚daka‘ und kommt unbetont in den Namen der Wochentage vor. Die arawakischen Namen der Wochentage sind den berbice-niederländischen sehr ähnlich und sie könnten sogar von ihnen abstammen.

plantasi – Pflanzung – plantation – piantagione – ültetvény

Auf Sranan Tongo sagt man ‚prantasi‘, älter ‚plantasi‘ (Nicoline: 2010), auf Arawakkisch ‚plantasi‘ (idem) und auf Negerholländisch ‚planty‘, ‚plantey‘ und ‚plantagie‘. Auf Papiamentisch heißt man sie ‚plantashi‘ (idemidem). Da fällt die Wahl leicht.

ploi – Falte – wrinkle – hajtogatás

Das holländische ‚plooi‘ ist auf Papiamentisch, Sranan Tongo und Malakka-Kreolisch ‚ploi‘ und noch in einigen anderen Sprachen gleich oder ähnlich, wobei es manchmal nur für Falten in Kleidungsstücken verwendet wird (Nicoline: 2010). Das ‚ooi‘ ist im Berbice-Niederländischen immer ‚oi‘, wie in ‚moi‘, von ‚mooi‘.

preki – predigen – preach – igehirdetés

prenki – Bild – picture – immagine – kép

rai – raten – guess – indovinare – találgat

Bei CLS steht für Sranan Tongo ‚raai‘ und ‚laai‘. Afrikaans hat auch ‚raai‘. Der holländische Ursprung ist ‚raden‘.

ripu – reif – ripe – maturo – érett

Noch bin ich mir nicht sicher, ob das sranantongische Wort ‚repi‘ oder ‚lepi‘ holländischen oder englischen Ursprung hat. Es kommt schon bei CLS vor.

roi – rot – red – rosso – vörös/piros

CGAO hat ‚rooi‘. Es kommt von ‚rode‘. Auf Afrikaans sagt man auch ‚rooi‘. Das überlieferte berbice-niederländische Wort ‚lai‘, von ‚laden‘ zeigt die gleiche Entwicklung. Auf Afrikaans sagt man ‚laai‘.

sâdel/sadla – Sattel

Bei NvdS steht für Sranan Tongo ’sâdel‘ und ’sadri‘. HRW hat erst ‚zadel‘, in holländischer Schreibweise. Ein belegtes berbice-niederländisches Wort mit ‚dl‘ ist ‚bodlo‘, was ‚Flasche‘ bedeutet.

salf/salfu/sálufu

Bei NvdS steht für Sranan Tongo ’salf‘ und ’sarfu‘. Daß es noch ’salf‘, ohne Stützvokal und ohne Wechsel von ‚l‘ zu ‚r‘ gibt, ist ein Zeichen dafür, daß man es wahrscheinlich erst spät übernommen hat. Naturalistisch wäre es demnach im Berbice-Niederländischen ’salf‘ und ’salfu‘ zu verwenden. Hätte man holländisches ‚zalf‘ aber früher übernommen, würde die altertümlichere Form ’sálufu‘ heißen.

skafu-man – Schäfer

Auf Sranan Tongo gibt es diese Zusammensetzung auch. ‚Skafu‘ und ‚man‘ sind beides genauso berbice-niederländische Wörter, und ‚man‘ dient häufig der Ableitung.

skrifu-man – Schreiber – scribe – scrivano – írnok

slakti – metzgen – slaughter – macellare – levág

slingri – links – left – a manca – balra

Slingri ist zwar schon vorhanden, Silvia Kouwenberg schreibt es als slinggri. Der Grund, daß ich es aufschreibe ist, daß es auf Negerholländisch CGAO slinker heißt.

soklati – Schokolade

Bei HRW steht für ‚Schokolade‘ ’sokrati‘ und ’s’krati‘. Das neue Sranan-Tongo-Wörterbuch hat ’skrati‘ mit der Übersetzung ‚chokolade drank‘. ‚Schokolade‘ heißt hier ’sukruskrati‘, also ‚Zuckerschokolade‘. Weil aber ‚Kakao‘, zum Trinken auf Berbice-Niederländisch ‚kakau-tei‘ heißt, können wir ruhig zur Eßschokolade ’soklati‘ sagen.

som – Saum

Bei HRW steht ‚zoom‘. Bei CGAO steht ‚Soom‘. Bei NvdS steht für Sranan Tongo ’son‘.

swai – winken

Dieses Wort kommt von Sranan Tongo NvdS ’swai‘. HRW hat ‚pingi‘, von dem ich nicht weiß, woher es kommt. Wenn statt dem ‚p‘ ein ‚w‘ stünde, wäre der Fall klar. Weder ’swai‘ noch ‚pingi‘ konnte ich bisher an anderen Stellen finden.

tabaka – Tabak – dohány

tábiki – Insel im Fluß – sziget a folyóban

HCF hat ‚tábiki‘, das neue Wörterbuch, von dem ich den Autor nicht kenne, hat ‚tabiki‘. Ob sich die Betonung geändert hat, weiß ich nicht.

fringi/wringi – wringen

wagn – Wagen – kocsi

Sranan Tongo hat ‚wagi‘ und Arawakisch hat ‚wagen‘ NvdS. Berbice-Niederländisch hat bei einigen Wörtern noch ein ’n‘. Da gibt es ‚tafn‘, ’sewn‘ und ‚tegn‘.

waldi – Welt – world – mondo – világ

Meinem Gefühl nach wäre das holländische Wort ‚wereld‘ erst zu ‚weld‘ oder ‚weled‘ vereinfacht worden. Auch das deutsche Wort ‚Welt‘ ist eine Vereinfachung. ‚Wérelede‘ wäre zu lang, um die Betonung auf der ersten Silbe zu haben. Es könnte sein, daß ‚wereld‘ früh eine andere Betonung bekommen hätte und jetzt ‚frelde‘ lauten würde. Jetzt erkläre ich aber, wie ich zu meinem eigentlichen Vorschlag gekommen bin. Wie bei ‚alfu‘ und ‚twalfu‘, was von holländischem ‚elf‘ und ‚twaalf‘, ist beim essequibo-niederländischen Wort ‚galti‘, für ‚Geld‘, das ‚e‘ vor ‚l‘ ein ‚a‘. Berbice-Niederländisch hat ‚d‘ nicht so oft zu ‚t‘ geändert. Gerade hinter ’n‘ bleibt es auslautend gerne erhalten, darum denke ich mir, daß es hinter ‚l‘ auch so sein könnte. ‚Gautu‘ und essequibo-niederländisches ‚gaut‘ haben übrigens das ‚u‘ schon aus dem Holländischen ererbt.

wárskau – warnen

Negerholländisch hat ‚waarskouw‘ und Sranan Tongo hat ‚warskow‘ NvdS.

warum-titi – Sommer – summer – estate – nyár

HRW hat ‚waram-tem‘ und ‚dre-tem‘. ‚Dre‘ heißt ‚trocken‘ und kommt von ‚dry‘. ‚Dreiten‘ steht im neuen Wörterbuch als ‚dreiten‘ als ‚Trockenzeit‘. Man könnte auch ‚hete-titi‘ sagen. Mehr hierzu gibt es bei ‚kautu-titi‘ zu lesen.

wengi – gehen

PCG hat ‚wenje‘ geschrieben.

wenkli – Geschäft

Sranan Tongo hat ‚wenkri‘. Wenn ‚winkel‘ früh kreolisiert worden wäre, wäre es zu ‚wingli‘ und ‚wingri‘ geworden. Die Sklaven hatten ihre eigenen Gärten, um sich zu versorgen. Man auch das von Silvia Kouwenberg aufgeschriebene ‚ʃapu‘ verwenden. Es stammt von ’shop‘ ab. Sie hat darauf hingewiesen, daß einige englische Wörter durch Stützvokale der berbicischen Lautung angepaßt wurden. Ich nehme an, daß wie bei Sranan Tongo und Negerholländisch die Verteilung von [ʃ] und [s] nur alophonisch war. Hätte man ’shop‘ schon früh verwendet, würde man wohl ’sapu‘ sagen. Für phonetisches [ʃ] werde ich, bis mir etwas besseres einfällt <š> verwenden.

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Das hier ist ein Zitat aus dem Buch von Thomas Stolz, das ich auch in den Quellen stehen habe.

NH fәrkó ~ frukó ~ fokó < ndl. verkopen, Sar. 1977 woóko < Sar. 1778 worko ~ wrokko < eng. to work, daraus auch Sra. 1977 wroko < Sra. 1855 wróko ~ woróko < Sra. 1780 worke. Wie an den Sranan-Formen aus dem Jahre 185 [vielleicht habe ich mich hier vertippt] zu erkennen ist, müssen folgende Zwischenstufen angenommen werden, bei denen dann ebenfalls intervokalische Liquida vorliegt: NH *fVrukó, Sar. *wOróko. Im Sranan sind die intervokalischen Positionen wieder regelmäßig beseitigt worden, indem durch Vokalelision die Liquida in postkonsonantische Stellung geriet. (80)

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Hier sollen nach und nach die Quellenangaben auftauchen.

Criolisches Wörterbuch: erster zu vermehrender und wo nöthig zu verbessernder Versuch (1767/68) /Christian Georg Oldendorp. Hrsg., eingeleitet und mit Anm. vers. von Peter Stein. Sowie das anonyme, Johan Christopher Kørbitz Thomsen Kingo (J.C. Kingo) zugeschriebene Vestindisk Glossarium / hrsg., eingeleitet und mit Anm. vers. von Hein van der Voort. – Tübingen : Niemeyer, 1996

Der Name von diesem Buch ist wirklich so lang. Der Nachdruck, den ich verwende, ist aus dem Jahr 1998. Die behandelte Kreolsprache ist unter dem Namen Negerholländisch bekannt. Als vorläufiges Kürzel verwende ich CGAO.

Berbice and Skepi Dutch – A lexical comparison, in Tijdschrift voor Nederlandse Taal- en Letterkunde. Jaargang 105, von Ian. E. Robertson. Sagt mir wofür das E. steht. Hier nehme ich derweil IER.

http://www.dbnl.org/tekst/_tij003198901_01/_tij003198901_01_0002.php

Neger-Englisches Wörterbuch et. tertia – C.L. Schumann 1783 (CLS)

Anscheinend ist dies das erste Wörterbuch für Sranan Tongo.

http://www-01.sil.org/americas/suriname/Schumann/National/SchumannGerDict.html

Neger-Engelsch – Nederlands Woordenboek – Hendrik Charles Focke 1855 (HCF)

http://www-01.sil.org/americas/suriname/Focke/National/FockeNLDict.html

Deutsch – Negerenglisches Wörterbuch – H.R. Wullschlägel 1856

Auf Seite IX steht folgendes zur Betonung:

Der Accent ruht in der Regel auf der zweitletzten Silbe, seltener auf der letzten, und nur in ganz seltenen Fällen auf der drittletzten. Nur im 2ten und 3ten Falle ist er hier angegeben; nicht aber im 1sten. Ruht er auf einer gedehnten Silbe, so ist er mit ` bezeichnet, z. B. pikìen; auf einer kurzen, scharf betonten mit ´, z. B. kabá. In zusammengesetzten Worten ruht der Ton in der Regel auf dem ersten Worte, und ist dann nicht immer angegeben, z. B. panti und man – pantiman (pántiman). Gewöhnlich aber sind zusammengesetzte Worte durch – verbunden, vaam-hoedoe; sneki-fisi.

http://www-01.sil.org/americas/suriname/Wullschlaegel/National/WullschlagelGerDict.html

https://archive.org/details/deutschnegereng03wullgoog

Nederlandse woorden wereldwijd – Nicoline van der Sijs 2010 (NvdS)

Dieses Wörterbuch zeigt holländische Lehnwörter in verschiedenen Sprachen und ihre holländischen Entsprechungen. Ab und zu ein Wort, das hier als Holländisch ausgezeichnet wird, hat doch einen anderen Ursprung, aber trotzdem ist das Buch wahnsinnig nützlich. Dazu ist die Einleitung sehr lang.

http://depot.knaw.nl/10253/1/Nww_compleet_archief.pdf

A Grammar of Berbice Dutch Creole – Silvia Kouwenber 1994 (SK)

Hiermit kann man Berbice-Niederländisch lernen.

http://stemmenvanafrika.nl/skepi-nederlands-is-dit-geen-moye-taal/

Das ist ein Artikel von Margot van den Berg (2013), über Essequibo-Niederländisch.

http://people.zeelandnet.nl/evenhuis/belbel2.htm

Zeeuwse creooltalen sterven een stille dood – Marco Evenhuis

Gibt es das kreolische Sprachwandelmodell? – Vergleichende Grammatik des Negerholländischen – Thomas Stolz 1986

In diesem Buch geht es zwar vor allem um Negerholländisch, aber auch Berbice-Niederländisch kommt an einigen Stellen vor.

Berbiciaansche Woorde – Pieter Constantijn Groen 1794 (PCG) – herausgegeben von Ian Robertson 1994

Kalabari Dictionary – Anonymer Autor, herausgegeben von Roger Blench 2008

http://www.rogerblench.info/Language/Niger-Congo/Ijoid/Kalabari/Kalabari%20dictionary.pdf

Wereldnederlands – Oude en jonge variëteiten van het Nederlands – redactie Nicoline van der Sijs

http://depot.knaw.nl/10274/1/2005_Sijs,_N_van_der_Wereldnederlands_(def)_(db).pdf

The Ijo-derived lexicon of Berbice Dutch Creole: An a- typical case of African lexical influence – Silvia Kouwenberg 2006

Hier stehen alle berbice-niederländischen Wörter mit ihrem kalabarischen Ursprung.

http://www.rogerblench.info/Language/Niger-Congo/Ijoid/Berbice%20Dutch/BD-Ijo%20lexicon-July2006.pdf

Vor allem geht es in diesem Wörterbuch um Wörter die in Suriname im Holländischen gebraucht wurden. Es kommen aber auch viele Einträge vor, bei denen steht, daß  die Wörter wahrscheinlich auch im westlichen Guyana oder sogar namentlich in Berbice verwendet wurden.

Woordenboek van het Nederlands in Suriname van 1667 tot 1876 – Jan van Donselaar 2013 postum

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